Pflege – Leben: Eine generalistische Pflegeausbildung

Aktuelles

Walk of Care am Samstag, 12. Mai 2018 in Stuttgart

Das PBZ war dabei bei der Demonstration für eine menschenwürdige Pflege

       Am 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale, begehen wir jedes Jahr den Tag der Pflege.

  • Wir nahmen diesen Tag zum Anlass, auf die unhaltbaren Zustände hinzuweisen, unter welchen Pflegende heute ihre Arbeit verrichten müssen und unter welchen kranke und pflegebedürftige Menschen im Pflegeheim, im Krankenhaus und in der ambulanten Pflege versorgt werden!
  • Wir beklagen den Verlust von Menschlichkeit und Menschenwürde, den Verlust von Idealen und das um sich greifende Cool-Out!
  • Wir sind es leid, ständig Überstunden zu machen und einzuspringen und dadurch unsere Freizeit nicht mehr verlässlich planen zu können!
  • Wir wehren uns dagegen, dass unser guter Wille und unser hohes pflegerisches Berufsethos ausgenutzt wird!
  • Wir halten nicht mehr still, wenn uns die Politik weiterhin vertrösten will und die Kostenträger uns vergessen!

Einige unserer Pflegenden in Ausbildung organisierten diese Demonstration gemeinsam mit Auszubildenden einer Stuttgarter Altenpflegeschule. Viele aus dem PBZ waren auf der Demo dabei. Wir danken den Fotograf*innen Jasmin Schindler, Peter Wolf und Gernot Adolphi für ihre schönen Fotos!

Examensfest 2018

Im März feierten die Teilnehmer*innen unseres Kurses 2015/18 ihr erfolgreiches Examen.

Solveig fasste die drei Jahre in einer berührenden Ansprache zusammen:

 

Nicht müde werden, sondern dem Wunder, leise wie einem Vogel, die Hand hinhalten. 

 

Liebe Lehrer, Freunde, Kollegen und Familienmitglieder,

Für die, die mich nicht kennen: mein Name ist Solveig und ich freue mich, dass Sie alle so zahlreich erschienen sind, um mit uns unsere Errungen-schaft, das „Staatsexamen zur Gesundheits- und Krankenpflege“, zu feiern.

Aus den fremden Menschen, die sich vor fast drei Jahren in diesem Raum schüchtern und skeptisch gegenübersaßen, sind Freunde geworden, die nun Abschied nehmen.

Einer der ersten Unterrichtsinhalte war es gewesen, auf die Straße zu gehen und die Leute zur Pflege zu befragen. Eine der Fragen, die mir noch sehr präsent ist, war: „Würden Sie ihre Tochter/ ihren Sohn darin unterstützen, in die Pflege zu gehen?“ Was habt ihr damals gedacht und gesagt, liebe Eltern und Freunde?

Viele der Befragten meinten, sie würden ihren Kindern davon abraten. Ich bin immer wieder verwundert, wie viele nicht-pflegende Menschen ich treffe, die unzufrieden sind mit den Rahmenbedingungen für Pflegende.

Was bringt in der heutigen Zeit 19 Menschen dazu, in die Pflege gehen zu wollen? Was bringt 19 Menschen dazu, sich mit dem Beruf zu identifizieren und für etwas einzustehen, was gerade überall auf dem Prüfstand steht?

Unsere Schule und die Stationen waren das Trainingscamp für die verschiedenen Kompetenzen, die es in der Pflege braucht. Da gab es die Fachkompetenz, die denke ich von vielen Außenstehenden unterschätzt wird. Das Waschen von Patienten ist schnell gelernt, aber es braucht sehr viel Wissen und einiges an Erfahrung, um eine klingende, belebende Waschung bei einem komatösen Patienten durchzuführen.

Auch wie man eine normale Infusion anhängt, darin könnten wir die meisten Fachfremden in 10 Minuten vermutlich anleiten. Aber wie sieht es dabei aus, wenn ein Patient 4 verschiedene Medikamente als Infusion möglichst gleichzeitig bekommen soll und alle sollen verschieden schnell gegeben werden? Und das ist nur eine der Kompetenzen; daneben gibt es noch die Personal- und Sozialkompetenz, die Methoden- und Lernkompetenz und die ethische Kompetenz. Und stetig wurden wir nach diesen Kriterien bewertet.

Doch ich denke, gerade dieses Feilen an all jenen Kompetenzen hat uns das nötige Durchhaltevermögen und die Ideale mitgegeben, um Freude an diesem Beruf zu entwickeln.

So ziemlich jeder von uns hatte während der Ausbildung die eine oder andere Krise und manch einer war kurz davor aufzugeben. Kurskollegen von mir wurden auf der Notfallaufnahme regelmäßig von Patienten zusammengestaucht, warum sie in diesem Saftladen 3 Stunden warten müssen, bis jemand sich Freitagabend ihren Hals anschaut. Wir fragen uns dann, ob die Leute nicht wissen, dass sie in einer Klinik sind und dass zwei Türen weiter um das Leben eines Menschen gekämpft wird.

Wir kamen alle ab und zu nach Hause und fragten uns, warum wir diesen Beruf ergreifen. Das große Geld ist es ja nicht und wir mögen zwar in der Gesellschaft anerkannt sein, aber dennoch wird man immer einmal wieder gefragt, wann man denn etwas Gescheites macht oder den schönen Satz: „Klingt toll. Aber ich könnte das nie.“

Dagegen wünschte ich jedem einen Tag, um die Arbeit Pflegender erleben zu dürfen. Vielleicht wäre dann mehr wirkliches Verständnis dafür unseren Beruf.

Warum ins Kino gehen, wenn mir Patienten die schönsten Liebesgeschichten, die spannendsten Erlebnisse aus ihrer Jugend erzählen? Wer kann von sich behaupten, die großen Wunder des Lebens wie Geburt und Sterben miterlebt und begleitet zu haben?

Und dann gibt es noch diese kleinen Wunder. Wenn bettlägerige Patienten das erste Mal wieder stehen. Oder die depressive Patientin, die einem das erste Mal ein Lächeln schenkt.

Wir erlebten, was es heißt, mit Menschen aller möglichen Sozialisationen, Kulturen und Altersgruppen in einen engen Kontakt zu kommen. Menschen, die auf der Straße wohnen, Menschen die schwer krank sind, Menschen mit großen und kleinen Problemen. Und wir erlebten, dass es letztendlich immer einfach Menschen sind. Vielleicht sind es diese kleinen und großen Wunder, die uns für diesen Beruf motivieren.

Viele von uns fanden das Zitat schön, als wir uns zwecks Biographiearbeit mit der Lyrikerin Hilde Domain befasst haben:

„Nicht müde werden, sondern dem Wunder, leise wie einem Vogel die Hand hinhalten.“

Unser Wunsch ist es, dass wir nicht müde werden. Dass wir nicht resignieren. Dass wir uns unsere Ideale und Wertvorstellungen behalten. Dass wir wach bleiben, für die kleinen Wunder des pflegerischen Alltags.

Die Freie Krankenpflegeschule heißt jetzt
Pflege-Bildungszentrum

Die Freie Krankenpflegeschule an der Filderklinik hat sich zum 1. April 2016 umbenannt in Pflege-Bildungszentrum (PBZ). Damit rücken wir unsere Modell-Ausbildung „Pflege – Leben: Eine generalistische Pflegeausbildung“ stärker als bisher in den Fokus. In der seit 10 Jahren praktizierten Modell-Ausbildung wird die Trennung der drei bisherigen Pflegeberufe (Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege) aufgehoben und in eine gemeinsame Berufsausbildung zusammengeführt.

Am 25. Juli 2016 haben wir diesen Namenswechsel gefeiert.

Vortrag Gemeinsam mit etwa 140 Menschen verfolgten wir Frau Prof. Dr. Zegelins Festvortrag mit dem Thema: „Zukunftsfähigkeit der Pflegeberufe: eine Bildungsstätte hat sich auf den Weg gemacht.“ Es bedeutet uns viel, dass Frau Prof. Dr. Angelika Zegelin, Pflegewissenschaftlerin und ehemalige Professorin an der Universität Witten/Herdecke, als engagierte Vertreterin einer ganzheitlichen Pflege uns wichtige Impulse mit auf den Weg gab. Sie hat mit ihren praxisorientierten Forschungsprojekten maßgeblich zur Weiterentwicklung der professionellen Pflege und damit zur Zukunftsfähigkeit der Pflegeberufe beigetragen.

 

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