Pflege – Leben: Eine generalistische Pflegeausbildung

Aktuelles

Examensfest am 15. März 2019

Sinja und Lydia begrüßten ihre Gäste auf dem Examensfest:

„Leben braucht Pflege- vom Lebensbeginn bis zum Lebensende“

Unsere Gedanken zu diesem Zitat wurden in unserem Bewerbungsgespräch vor Beginn der Ausbildung erfragt. 

Was das bedeutet haben wir in den letzten drei Jahren erleben dürfen. Wir haben Pflege und das Leben in seinen unterschiedlichsten Facetten kennengelernt. Dabei haben wir Menschen in der gesamten Lebensspanne von der Geburt bis hin zum Tod begleitet. Während dieser Zeit sind wir in den verschiedensten Einrichtungen und Krankenhäusern in ganz Deutschland unterwegs gewesen.

Am Pflege-Bildungszentrum haben wir eine Ausbildung in Pflege erhalten, die uns nicht nur fachlich auf den Beruf vorbereitet, sondern in Begegnungen und Auseinandersetzung mit den verschiedensten Themen auch unsere Persönlichkeit entwickelt hat.

Nun stehen wir hier nach diesen drei Jahren und nehmen nicht nur die sonnigen Seiten der Pflege wahr, sondern müssen auch die aktuellen Herausforderungen in dem Beruf meistern. Die Pflege in Deutschland steht an einem gefährlichen Punkt und in unserem Gesundheitssystem haben wir nicht immer die Möglichkeiten Menschen adäquat zu versorgen.

Ein wichtiges Modul in der Theorie war der Unterricht zum Thema „Pflege zwischen Ideal und Wirklichkeit gestalten“. Jede*r von uns erlebte immer wieder Situationen, in denen die pflegerische Arbeit nicht nach unseren Idealen gestaltet werden konnte. Mit dieser Diskrepanz haben wir nun weiterhin zu kämpfen. Wir stellen uns dieser Herausforderung, damit eine menschenwürdige Pflege erbracht werden kann!

Bildung mit Sinn

Infotag des Campus A am 16. März 2019

Erster gemeinsamer Informationstag des campusA rund um Berufsfindung

AltenpflegerIn? WaldorferzieherIn? Oder LehrerIn? Oder vielleicht doch lieber was mit Theaterpädagogik? Studium oder Weiterbildung? Oder einfach mal ein Jahr zur beruflichen Orientierung?

Berufsfindung braucht Ideen, Informationen, Vielfalt. Und vor allem: Freude auf dem Weg zur Entscheidung. Wir bieten viel davon. Denn in unserer Gemeinschaft des campusA sind viele verschiedene, anthroposophisch orientierte Einrichtungen beieinander.

 

Auf unserem ersten gemeinsamen Informationstag können Sie uns alle kennenlernen. Und auch erfahren, was uns verbindet auf und in unserem campusA.

Reinschnuppern, kennenlernen, mitmachen – wir freuen uns auf Sie!

        Weitere Informationen unter: http://www.bildung-mit-sinn.info

        Hier gibt’s den Flyer zum Download!

Der campusA ist die Gemeinschaft der anthroposophischen Ausbildungsstätten in Stuttgart. 1919 gründete Rudolf Steiner auf der Uhlandshöhe die erste Waldorf­schule – aus den ersten Lehrerbildungskursen ging die heutige Freie Hochschule Stuttgart, Seminar für Waldorf­pädagogik hervor, weitere Ausbildungen folgten bald.

Acht verschiedene Ausbildungseinrichtungen sind heute Mitglied im campusA und haben sich rund um die Uhlandshöhe angesiedelt.

Sie alle stellen sich an diesem Nachmittag mit gemein­samen Workshops vor, um einen Einblick zu ermögli­chen oder einer gezielten Informationsveranstaltung, die Sie zur jeweiligen Ausbildung oder Studium berät.

Parallel finden ein Infomarkt und eine Kunstausstellung mit Arbeiten von Studierenden im Rudolf Steiner Haus statt.

www.bindegewebe.art

Eine Woche lang künstlerische Werkstatt am PBZ

Das menschliche Bindegewebe schafft Struktur, Stütze und Stabilität, gleichzeitig ist es elastisch, beweglich und anpassungsfähig. Als Menschen verbinden wir uns mit einer Sache oder mit anderen, bauen Beziehung auf, interessieren uns füreinander und schaffen soziale Netzwerke, echte und virtuelle. Wie tragfähig ein solches Netz ist, hängt davon ab, ob und wie Beziehungen gepflegt werden, wie elastisch, lebendig und authentisch die Verbindungen gestaltet sind. Über das World Wide Web können wir uns mit einem gigantischen Informationssystem oder mit Menschen an jedem Teil der Erde verbinden. Vielleicht tauchen persönliche Fragen auf: Womit verbinde ich mich? Mit wem stehe ich in Beziehung? Wo habe ich mich verstrickt? Wie bin ich eingebunden?

Unter Anleitung von externen Kunstdozent*innen bearbeiteten die Lernenden und Lehrenden am Pflege-Bildungszentrum das Thema Bindegewebe mit künstlerischen Mitteln. Eine ganze Woche lang wurde in den sechs Projektgruppen intensiv gestaltet und am individuellen wie auch am gemeinsamen künstlerischen Prozess gearbeitet. Im Beziehungsrad spannte jede*r im Laufe der Woche Fäden vom persönlichen Nagel zum Bezugspunkt des Anderen. Das entstandene Geflecht vermittelte „Netzwerkcharakter“. Verbindungen entstanden, unter den Teilnehmern innerhalb der eigenen Projektgruppe genauso wie im Gewebe der Schulgemeinschaft.

Ein Höhepunkt der Woche war sicherlich die Abschlusspräsentation am Freitagnachmittag. Die Gäste konnten sich durch die Darbietungen und einen Rundgang durch die Ausstellung einen Eindruck vom kreativen Schaffen der Teilnehmer*innen machen, viele waren angetan von der fröhlich-lebendigen Atmosphäre, die in der Schule spürbar war. Individuelle Lernprozesse, Herausforderungen und Erfolgserlebnisse gab es zuhauf aber auch der Gewinn für die Gemeinschaftsbildung ist unübersehbar.

Alle Fotos der künstlerischen Projektwoche wurden erstellt von Dieter Raith.

Walk of Care am Samstag, 12. Mai 2018 in Stuttgart

Das PBZ war dabei bei der Demonstration für eine menschenwürdige Pflege

Am 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale, begehen wir jedes Jahr den Tag der Pflege.

Dieses Mal haben wir demonstriert…

 

  • Wir nahmen diesen Tag zum Anlass, auf die unhaltbaren Zustände hinzuweisen, unter welchen Pflegende heute ihre Arbeit verrichten müssen und unter welchen kranke und pflegebedürftige Menschen im Pflegeheim, im Krankenhaus und in der ambulanten Pflege versorgt werden!
  • Wir beklagen den Verlust von Menschlichkeit und Menschenwürde, den Verlust von Idealen und das um sich greifende Cool-Out!
  • Wir sind es leid, ständig Überstunden zu machen und einzuspringen und dadurch unsere Freizeit nicht mehr verlässlich planen zu können!
  • Wir wehren uns dagegen, dass unser guter Wille und unser hohes pflegerisches Berufsethos ausgenutzt wird!
  • Wir halten nicht mehr still, wenn uns die Politik weiterhin vertrösten will und die Kostenträger uns vergessen!

Einige unserer Pflegenden in Ausbildung organisierten diese Demonstration gemeinsam mit Auszubildenden einer Stuttgarter Altenpflegeschule. Viele aus dem PBZ waren auf der Demo dabei. Wir danken den Fotograf*innen Jasmin Schindler, Peter Wolf und Gernot Adolphi für ihre schönen Fotos!

Examensfest 2018

Im März feierten die Teilnehmer*innen unseres Kurses 2015/18 ihr erfolgreiches Examen.

Solveig fasste die drei Jahre in einer berührenden Ansprache zusammen:

 

Nicht müde werden, sondern dem Wunder, leise wie einem Vogel, die Hand hinhalten. 

 

Liebe Lehrer, Freunde, Kollegen und Familienmitglieder,

Für die, die mich nicht kennen: mein Name ist Solveig und ich freue mich, dass Sie alle so zahlreich erschienen sind, um mit uns unsere Errungen-schaft, das „Staatsexamen zur Gesundheits- und Krankenpflege“, zu feiern.

Aus den fremden Menschen, die sich vor fast drei Jahren in diesem Raum schüchtern und skeptisch gegenübersaßen, sind Freunde geworden, die nun Abschied nehmen.

Einer der ersten Unterrichtsinhalte war es gewesen, auf die Straße zu gehen und die Leute zur Pflege zu befragen. Eine der Fragen, die mir noch sehr präsent ist, war: „Würden Sie ihre Tochter/ ihren Sohn darin unterstützen, in die Pflege zu gehen?“ Was habt ihr damals gedacht und gesagt, liebe Eltern und Freunde?

Viele der Befragten meinten, sie würden ihren Kindern davon abraten. Ich bin immer wieder verwundert, wie viele nicht-pflegende Menschen ich treffe, die unzufrieden sind mit den Rahmenbedingungen für Pflegende.

Was bringt in der heutigen Zeit 19 Menschen dazu, in die Pflege gehen zu wollen? Was bringt 19 Menschen dazu, sich mit dem Beruf zu identifizieren und für etwas einzustehen, was gerade überall auf dem Prüfstand steht?

Unsere Schule und die Stationen waren das Trainingscamp für die verschiedenen Kompetenzen, die es in der Pflege braucht. Da gab es die Fachkompetenz, die denke ich von vielen Außenstehenden unterschätzt wird. Das Waschen von Patienten ist schnell gelernt, aber es braucht sehr viel Wissen und einiges an Erfahrung, um eine klingende, belebende Waschung bei einem komatösen Patienten durchzuführen.

Auch wie man eine normale Infusion anhängt, darin könnten wir die meisten Fachfremden in 10 Minuten vermutlich anleiten. Aber wie sieht es dabei aus, wenn ein Patient 4 verschiedene Medikamente als Infusion möglichst gleichzeitig bekommen soll und alle sollen verschieden schnell gegeben werden? Und das ist nur eine der Kompetenzen; daneben gibt es noch die Personal- und Sozialkompetenz, die Methoden- und Lernkompetenz und die ethische Kompetenz. Und stetig wurden wir nach diesen Kriterien bewertet.

Doch ich denke, gerade dieses Feilen an all jenen Kompetenzen hat uns das nötige Durchhaltevermögen und die Ideale mitgegeben, um Freude an diesem Beruf zu entwickeln.

So ziemlich jeder von uns hatte während der Ausbildung die eine oder andere Krise und manch einer war kurz davor aufzugeben. Kurskollegen von mir wurden auf der Notfallaufnahme regelmäßig von Patienten zusammengestaucht, warum sie in diesem Saftladen 3 Stunden warten müssen, bis jemand sich Freitagabend ihren Hals anschaut. Wir fragen uns dann, ob die Leute nicht wissen, dass sie in einer Klinik sind und dass zwei Türen weiter um das Leben eines Menschen gekämpft wird.

Wir kamen alle ab und zu nach Hause und fragten uns, warum wir diesen Beruf ergreifen. Das große Geld ist es ja nicht und wir mögen zwar in der Gesellschaft anerkannt sein, aber dennoch wird man immer einmal wieder gefragt, wann man denn etwas Gescheites macht oder den schönen Satz: „Klingt toll. Aber ich könnte das nie.“

Dagegen wünschte ich jedem einen Tag, um die Arbeit Pflegender erleben zu dürfen. Vielleicht wäre dann mehr wirkliches Verständnis dafür unseren Beruf.

Warum ins Kino gehen, wenn mir Patienten die schönsten Liebesgeschichten, die spannendsten Erlebnisse aus ihrer Jugend erzählen? Wer kann von sich behaupten, die großen Wunder des Lebens wie Geburt und Sterben miterlebt und begleitet zu haben?

Und dann gibt es noch diese kleinen Wunder. Wenn bettlägerige Patienten das erste Mal wieder stehen. Oder die depressive Patientin, die einem das erste Mal ein Lächeln schenkt.

Wir erlebten, was es heißt, mit Menschen aller möglichen Sozialisationen, Kulturen und Altersgruppen in einen engen Kontakt zu kommen. Menschen, die auf der Straße wohnen, Menschen die schwer krank sind, Menschen mit großen und kleinen Problemen. Und wir erlebten, dass es letztendlich immer einfach Menschen sind. Vielleicht sind es diese kleinen und großen Wunder, die uns für diesen Beruf motivieren.

Viele von uns fanden das Zitat schön, als wir uns zwecks Biographiearbeit mit der Lyrikerin Hilde Domain befasst haben:

„Nicht müde werden, sondern dem Wunder, leise wie einem Vogel die Hand hinhalten.“

Unser Wunsch ist es, dass wir nicht müde werden. Dass wir nicht resignieren. Dass wir uns unsere Ideale und Wertvorstellungen behalten. Dass wir wach bleiben, für die kleinen Wunder des pflegerischen Alltags.

Die Freie Krankenpflegeschule heißt jetzt
Pflege-Bildungszentrum

Die Freie Krankenpflegeschule an der Filderklinik hat sich zum 1. April 2016 umbenannt in Pflege-Bildungszentrum (PBZ). Damit rücken wir unsere Modell-Ausbildung „Pflege – Leben: Eine generalistische Pflegeausbildung“ stärker als bisher in den Fokus. In der seit 10 Jahren praktizierten Modell-Ausbildung wird die Trennung der drei bisherigen Pflegeberufe (Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege) aufgehoben und in eine gemeinsame Berufsausbildung zusammengeführt.

Am 25. Juli 2016 haben wir diesen Namenswechsel gefeiert.

Vortrag Gemeinsam mit etwa 140 Menschen verfolgten wir Frau Prof. Dr. Zegelins Festvortrag mit dem Thema: „Zukunftsfähigkeit der Pflegeberufe: eine Bildungsstätte hat sich auf den Weg gemacht.“ Es bedeutet uns viel, dass Frau Prof. Dr. Angelika Zegelin, Pflegewissenschaftlerin und ehemalige Professorin an der Universität Witten/Herdecke, als engagierte Vertreterin einer ganzheitlichen Pflege uns wichtige Impulse mit auf den Weg gab. Sie hat mit ihren praxisorientierten Forschungsprojekten maßgeblich zur Weiterentwicklung der professionellen Pflege und damit zur Zukunftsfähigkeit der Pflegeberufe beigetragen.

 

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